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Wahlperiode 12, Band V/3, Seiten 2798 und 2799
 

Werner Weidenfeld/Manuela Glaab

„Die deutsche Frage im Bewußtsein der Bevölkerung in
beiden Teilen Deutschlands.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen –
Konstanten und Wandlungen.
Einstellungen der westdeutschen Bevölkerung
1945/49–1990“

 

1. Einführung
  1.1. Begriffsbestimmung
  1.2. Forschungsstand
  1.3. Methodik und Material
2. Analyse des demoskopischen Datenmaterials zur deutschen Frage
  2.1. Befragte Identität: Staats- und Nationalbewußtsein im geteilten
Deutschland
    2.1.1. Vorstellungen von der Nation
    2.1.2. Zwei Staaten – eine Nation
    2.1.3. Bürger und Staat
    2.1.4. Nationalstolz und Nationalsymbole
    2.1.5. Zusammenfassung
  2.2. Identität zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Deutschlandpolitische
Positionen im Wandel
    2.2.1. Einstellungen zur Wiedervereinigung: Wunsch und Erwartung
    2.2.2. Politischer Stellenwert der Wiedervereinigung
    2.2.3. Modelle der Wiedervereinigung
    2.2.4. Einstellungen zur Deutschlandpolitik
    2.2.5. Zusammenfassung
  2.3. Identität zwischen Nähe und Distanz: Die Beziehungen zwischen den
Deutschen
    2.3.1. Persönliche Beziehungen und Kontakte
    2.3.2. Sympathie für die DDR-Bürger
    2.3.3. Interesse an und Kenntnisse über die DDR
    2.3.4. Beurteilung des DDR-Systems
    2.3.5. Zusammenfassung
3. Auswahlbibliographie
4. Zusammenfassung: Kontinuität und Wandel der deutschen Frage im
Bewußtsein der Westdeutschen
2799
Deutsche Frage im westdeutschen Bewußtsein

1. Einführung

 

Die Untersuchung von Werten, Orientierungen und Einstellungen der Deut-
schen zur Nation besitzt einen besonderen Stellenwert. Dies zeigt sich ein-
mal mehr im Prozeß des inneren Zusammenwachsens der Deutschen. Im
Bewußtsein, einer gemeinsamen Nation anzugehören, vollendeten die Deut-
schen 1989/90 die staatliche Einheit. Seither mehren sich in Ost und West
Anzeichen von gegenseitiger Unkenntnis und mangelndem Verständnis. Die-
ser Spannungsbogen von bewahrter Nähe und erwiesener Distanz verleiht
der deutschen Frage neue Aktualität: Welche Rolle spielte die Teilung im
Bewußtsein der Bevölkerung? Konnte trotz der über vierzig Jahre erlebten
Zweistaatlichkeit ein Zusammengehörigkeitsgefühl aufrechterhalten werden?
Oder waren im Bewußtsein der Bürger doch zwei eigenständige Nationen
entstanden? Welche Muster bestimmten das Bild der Westdeutschen vom
anderen deutschen Staat und seinen Bewohnern? Diese Anfragen an die
Identität der Deutschen leiten die vorliegende Untersuchung. Denn nur aus der
systematischen Analyse der Einstellungen der Westdeutschen zur deutschen
Frage zwischen 1945 und 1990 läßt sich ein Zugang zu den gegenwärtigen
Herausforderungen finden.

 

1.1. Begriffsbestimmung

 

Will man die deutsche Frage im Bewußtsein der westdeutschen Bevölkerung
untersuchen, ist zunächst das Profil dieses Begriffs abzustecken. Die deutsche
Frage – in manchen Wörterbüchern auch als Deutschlandfrage bezeichnet –
ist ein historischer Begriff, dessen Entstehung sich mit der modernen Na-
tionalbewegung an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert verbindet.1
Die deutsche Frage als historisches Faktum beschreibt seit dieser Zeit das
Thema der politischen Organisation der Deutschen und die Forderung nach
einer nationalen Gesamtordnung in Deutschland. Schon die geschichtlichen
Erfahrungen machen deutlich, daß sich der Begriff einer einfachen Kurz-
definition entzieht. Dokumentieren sich in der Diskontinuität der deutschen
Geschichte doch spezifische Problemlagen: der späte Prozeß der Staatsgrün-
dung, die Frage der demokratischen Gesellschaftsordnung, die Mittellage in
Europa, nationalistische Überhöhungen und historische Zäsuren. Stets war
die deutsche Frage eingebunden in das politische Geflecht der europäischen
Staatenwelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und seit der deutschen Teilung
kam den weltpolitischen Konstellationen eine noch größere Bedeutung zu: die

 

  1. Ausführlich dazu vgl. Werner Weidenfeld, Der deutsche Weg, Berlin 21991.