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und Staatsfunktionäre einschließlich der Leiter von militärischen, wissen-
schaftlichen, kulturellen und sonstigen Institutionen zu zählen. Eine besondere
Gruppe innnerhalb dieser Schicht war die „Intelligenz“. Sie hob sich durch ein
breit gestaffeltes System der Zusatzversorgung und durch die Einbindung in
die Staatshierarchie hervor, was sich in zunehmendem Maße auch in der Mög-
lichkeit zur Selbstrekrutierung (Studienplätze für ihre Kinder) niederschlug
[→ Expertisen Hanke, Voigt]. An der Spitze stand die kleine, herrschende
Schicht der hohen Parteifunktionäre, die isoliert von der breiten Bevölkerung
aber auch von niederrangigen Kadern und den anderen Funktionären lebte.
Die Elitenrekrutierung erfolgte durch Kaderauswahl nach den Kriterien
Treue zur Partei, „sozialistisches Bewußtsein“, Durchsetzungsvermögen nach
unten, Bildungsgrad, fachliche Leistung und soziale Herkunft [→ Expertisen
Hanke, Schneider, Voigt]. Für alle, die politische Vorgaben und Erwartungen
nicht erfüllten, gab es wirkungsvolle Mechanismen zur Karriere-Erschwernis
bzw. Karriere-Verweigerung, angefangen von der Schule (Noten in den
ideologieträchtigen Fächern) bis hin zur Einflußnahme durch das MfS auf
die Auswahl der Kader.
Diese Schritte und Mittel zur Umgestaltung der Gesellschaft gaben der SED
das entscheidende Machtmittel in die Hand, um Gesellschaft und Wirtschaft
zentral zu gestalten und zu lenken.
Die so entstehende „sozialistische Gesellschaft“ neuen Typs zeichnete sich
u. a. durch folgende Merkmale aus:
- Eine Arbeiter- und Angestellten-Gesellschaft, die zu 98 vH aus abhängig
Beschäftigten zusammengesetzt war. - Die statusmäßige, berufliche Integration der DDR-Bevölkerung wurde
durch ein dichtes Netz von Organisationen verstärkt, die jeden Bürger
mehrfach erfaßten und kontrollierten [→ I. Themenfeld; Bericht Michalk,
Expertise Hanke]. - Möglichst auch alle privaten Lebensbereiche sollten durch Kollektive,
die von der SED politisch direkt oder indirekt durchdrungen waren,
kontrolliert werden. In den hierarchisch organisierten Kollektiven wurden
die Organisationsmitglieder diszipliniert (u. a. durch Kritik und Selbstkritik;
Aufnahme und Übergaberituale z. B. bei den Thälmannpionieren, der FDJ
oder in sozialistischen Brigaden) und möglichst gleichgeschaltet. - Andererseits besaßen Familie, Verwandtschaft und Freundeskreis für den
einzelnen eine hohe Wertigkeit. Manch einer entwickelte ein gespaltenes
Bewußtsein, ein widersprüchliches Dasein von Beruf und Privatleben.
Die Sozialpolitik wurde mit dem Anspruch auf universelle Lenkung der
Gesellschaft betrieben. Sie zielte daher auf die Gestaltung der sozialen
Verhältnisse insgesamt im Sinne einer Lenkung durch Versorgung und
Privilegiengewährung ab [→ Expertise Hanke]:
- Die Bürokratie ermittelte den Bedarf und bestimmte die Verteilungskrite-
rien. Diesen Zugriffen waren die „Werktätigen“ mehr oder weniger hilflos
ausgeliefert. - Die „Durchstaatlichung“ und Normierung der Gesellschaft erfolgte im
sozialpolitischen Bereich durch die Wohnungsbaupolitik (Zuweisung der
Wohnungen; niedrige Mieten auf Kosten von Sanierungsmaßnahmen; ste-
reotyper Plattenbau einschließlich der notwendigen Infrastruktur wie Schu-
len, Kindergärten, HO- und Konsum-Läden und zentralen Gaststätten).
Das Ergebnis dieser Politik war der „versorgte Mensch“, der gewohnt war,
daß für ihn entschieden wurde. Systemkonformes Verhalten und Arbeitslei-
stungen wurden abgestuft materiell und moralisch anerkannt (Auszeichnungen
und Privilegien). Dem Repressionssystem entsprach also ein Belohnungssy-
stem für systemtreues Verhalten. Die Mechanismen wirkten so stark, daß Auf-
begehren in größerem Maße erst dann zu beobachten war, als die wirtschaftli-
che Leistungsfähigkeit des Staates und damit das Versorgungssystem gefährdet
waren.
Die SED erreichte zeitweise durch ihr Wohlfahrtsprogramm einerseits und
durch Angsterzeugung als Herrschaftsinstrument andererseits gesellschaftliche
Akzeptanz. Es läßt sich jedoch nicht nachweisen, daß die „sozialistische
Bewußtseinsbildung“ als Mobilisierungsstrategie in der Gesellschaft im Sinne
der Ausbildung parteiideologisch erwünschter mentaler und sozialer Verhal-
tenweisen massenhaft legitimatorisch wirksam geworden wäre [→ Expertise
Thomas]. Vielmehr löste bereits ab der Anfangsphase der „antifaschistisch-
demokratischen“ Umwälzungen bei den Betroffenen das Erlebte ein Gefühl
hilflosen Ausgeliefertseins aus. Diesem entzog man sich durch „Republik-
flucht“ oder durch den Rückzug in private Refugien. Das heißt: Wo das
Eigenleben in den Kollektiven zu stark unterbunden wurde, wanderten die
Menschen zumindest „innerlich“ aus der offiziellen Sphäre in einen Freiraum
informeller Beziehungen aus (Rückzug in die Familie; Aufbau privater Be-
ziehungsnetze) und suchten damit die Unzuträglichkeiten der vorgegebenen
Wirklichkeit zu unterlaufen [→ Expertise Hanke]. Die Menschen leisteten
dabei häufig erheblichen Einsatz für den aktiven Auf- und Ausbau einer
Nische ihres Privatlebens (→ die „Datschen“ als Lebensmittelpunkt). Nur in
den privaten Bereichen, die dem staatlichem Zugriff entzogen waren, konnten
sich Flexibilität, Eigenständigkeit, Einfallsreichtum und Durchsetzungskraft
entfalten.
Die Einengung eigenverantwortlicher Gestaltungsmöglichkeiten erzeugte teil-
weise ein starkes Autoritätssyndrom: Obrigkeitsdenken, Autoritarismus, Pa-
ternalismus, Staatsgläubigkeit, vor allem aber Unselbständigkeit, Versorgungs-
mentalität, mangelndes Selbstvertrauen gekoppelt mit der Bereitschaft zur An-
passung [→ Expertisen Thomas, Hanke]. Charakteristisch war ein „angepaßtes
