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Wahlperiode 12, Band II/4, Seiten 2940 und 2941
2940
Wolf /Sattler

Festzuhalten ist, daß die SED de facto unter der Führung Honeckers zu einer
vornehmlich von politisch-ideologischen Zielen bestimmten zentralstaatlichen
Wirtschaftslenkung zurückkehrte.

Sie tat dies, ohne zur Bekämpfung der sich bald wieder in aller Deutlichkeit
zeigenden systembedingten Mängel der zentralen Planwirtschaft und für die
Ziele der von ihr proklamierten „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“
ein echtes wirtschaftspolitisches Konzept zu besitzen.

Nachdem zu Beginn der 70er Jahre „einheitlich sozialistische Produktionsver-
hältnisse“ hergestellt worden waren, versuchte die SED unter dem wachsenden
außenwirtschaftlichen Druck der folgenden Jahre, vor allem mit forcierter
Kombinatsbildung mehr volkswirtschaftliche Effektivität zu erzielen. Doch
mit dem so einheitlich-zentralistisch „vervollkommneten Wirtschaftsmecha-
nismus“ verschärfte sie die Mängel, die sie eigentlich beheben wollte, noch
zusätzlich.

In den 80er Jahre verwandelte sich die Planwirtschaft der DDR zunehmend
in eine zentraloperative Verwaltung des Mangels, begleitet von einer umfang-
reichen „Schattenwirtschaft“. Zwar gelang es der SED, ihr Wirtschaftssystem
durch den gezielten Einsatz politisch bedingter Faktoren zunächst zu stabilisie-
ren, doch engte sich letztlich durch die Verweigerung jeglicher wirtschaftlicher
Reform auch ihr politischer Spielraum immer mehr ein: Sie geriet in massive
finanzielle Abhängigkeit zum „Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“, insbe-
sondere zur Bundesrepublik, und manövrierte sich auch im RGW in eine
wirtschaftliche Sackgasse.

Als es im November 1989 unter dem Druck der Bevölkerung schließlich zur
Maueröffnung kam, war damit nicht nur das politische, sondern auch das
ökonomische Ende der DDR vorgezeichnet.

 

Stefan Wolle

Die SPD in Ostberlin (1946–1961)

 

1. Einleitung
2. Quellen und Forschungsstand
3. Die Entwicklung der Berliner SPD von 1946 bis 1961
4. Die Wiederzulassung der Sozialdemokratie im sowjetischen Sektor und
der Beginn des Aufbaus der SPD-Organisation
5. Das Verhältnis zur sowjetischen Besatzungsmacht bis zur Gründung der
Deutschen Demokratischen Republik (Beispiel Weißensee)
6. Die SED und die Ostberliner Sozialdemokraten
7. Die Ostberliner SPD-Organisation im Fadenkreuz der Stasi
8. Die Politik der Ostberliner Behörden gegenüber der SPD-Organisation
9. Der Organisationsalltag der SPD in Ostberlin in den fünfziger Jahren
10. Anhang
  a) Abkürzungsverzeichnis
  b) Literatur
  c) Zur Zitierweise der Dokumente
Zusammenfassung

 

1. Einleitung

Die gemeinsame Verantwortung der Siegermächte für ganz Berlin schuf in
den vier Sektoren der Stadt besondere Verhältnisse. Im Ostteil von Berlin war
daher manches möglich, das ansonsten unter Herrschaft der SED undenkbar
gewesen wäre. Eine der vielen Besonderheiten war die Existenz einer legalen
SPD-Organisation in Ostberlin. Widerwillig mußte die SED, die ansonsten
auch den kleinsten Ansatz zu einer organisierten Opposition im Keime erstickt
hat, in ihrer eigenen Hauptstadt eine Partei dulden, die zu ihren entschiedensten
Gegnern zählte.

Die Existenz der acht Kreisorganisationen blieb historisch gesehen eine Epi-
sode, die aber interessant genug ist, im Detail erforscht zu werden. Immerhin
zählten die Kreisorganisationen des Sowjetischen Sektors von Groß-Berlin
bei deren Auflösung im August 1961 noch ungefähr 5.000 Mitglieder. Damit
befanden sich unter der Herrschaft der SED eine funktionierende und aktive
Organisation der heftig befehdeten und sogar strafrechtlich verfolgten Sozial-
demokratie. Zähneknirschend duldeten die DDR-Behörden diesen Zustand.