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Garanten für die konsequente und einheitlicher Durchsetzung der Kaderpolitik
der SED sowie die Einhaltung der kaderpolitische Vorgaben waren die auf al-
len Ebenen und in allen Bereichen, in jedem Betrieb und in jeder Institution
installierten Kaderabteilungen bzw. die Abteilungen Kader und Bildung.
Auffallend ist, daß Beschlüsse und Richtlinien zur Kaderpolitik in der DDR,
bis auf wenige Ausnahmen, kaum veröffentlicht wurden.
2.1. Begriffsbestimmungen
Während für die Stellung im gesamtgesellschaftlichen Reproduktionsprozeß
und für die politisch-operative Sicherung durch das MfS eine Unterscheidung
zwischen Kombinat und Betrieb relevant war, kann angesichts der Einheitlich-
keit der Kaderpolitik der SED und der Verbindlichkeit der kaderpolitischen
Prinzipien für alle Bereiche der Gesellschaft bei der Analyse der Kaderarbeit
auf eine derartige Differenzierung verzichtet werden.
Aus diesem Grunde steht im Zusammenhang mit der Analyse der Kaderarbeit
Betrieb nachfolgend immer stellvertretend für beide Organisationsformen.
2.1.1. Kaderbegriff
Kader sind ein planmäßig herangebildeter Stamm von Personen, die aufgund
ihrer politischen Einstellung für die Besetzung wichtiger Nomenklaturpositio-
nen im Partei-, Staats- und Wirtschaftsapparat sowie allen anderen Bereichen
der Gesellschaft entsprechend der Kadernomenklatur ausgewählt, überprüft
und deren sicherheitspolitische Eignung nach erfolgter Sicherheitsüberprüfung
durch das MfS bestätigt wurde. Ihre Aufgabe bestand darin, die gesellschaftli-
che Transformation nach den Vorgaben der Partei durchzusetzen und zu si-
chern.
2.1.2. Kadernomenklaturen und Nomenklaturkader
Die wichtigste Grundlage für die Durchsetzung der Kaderpolitik der SED bil-
dete das System der Kadernomenklaturen47, ein hierarchisch gegliedertes
Stellenplansystem, in dem alle Führungs- und Leitungsfunktionen im Partei-,
Staats- und Wirtschaftsapparat, in der Armee und den Massenorganisationen,
in den Blockparteien, im Bereich Kultur, Medien, Bildung, Gesundheitswesen,
Justiz, Sport, also aller Bereiche der Gesellschaft verzeichnet waren, über de-
ren Besetzung die SED direkt entschied oder für die sie verbindliche Festle-
gungen traf bzw. sich die Kontrolle vorbehielt.
- Anlage 15: Übersicht über Nomenklaturstufen (stark vereinfacht).
Die Anlagen 15 – 19 listen Nomenklaturpositionen aus verschiedenen Institu-
tionen und Ebenen auf. Insbesondere die Kadernomenklatur der SED-Kreis-
leitung Greifswald aus dem Jahre 198948 macht deutlich, wie weit der Eingriff
und Reglementierung der Partei in Abstimmung mit dem MfS bei der Beset-
zung von Funktionen ging. Der hier als Anlage beigefügte Teil betrifft nur den
Teilbereich Wirtschaft.
Kadernomenklaturen waren Führungsinstrumente zur Durchsetzung der Ka-
derpolitik der SED und zur Verwirklichung der einheitlichen Prinzipien der
sozialistischen Kaderpolitik auf allen Ebenen, mit ihrer Hilfe sicherte die SED
ihre Macht, auf diese Weise setzte sie ihren politischen Einfluß in allen Berei-
chen der Gesellschaft umfassend durch.
Erklärtes Ziel der Arbeit mit den Kadernomenklaturen war es, durch ein auf-
einander abgestimmtes, langfristig orientiertes System der Auswahl, Überprü-
fung und Erprobung, der planmäßigen Aus- und Weiterbildung, von Erziehung
und mit dem planmäßigen Einsatz dieser Kader die Führungsrolle der Arbei-
terklasse ständig zu verwirklichen und eine stabile und planmäßige Besetzung
der Führungs- und Leitungsfunktionen entsprechend den Vorstellungen der
Partei zu gewährleisten.
Die Arbeit mit Kadernomenklaturen ist in allen Ländern, die von einer kom-
munistischen Partei regiert werden bzw. wurden, festzustellen. Beispielhaft
belegen dies die nachfolgend genannten Dokumente:
aus Polen:
„Richtlinien des Politbüros im Bereich der Nomenklatura der Kader der
Parteiinstanzen mit der Liste der Führungsstellen, die der Nomenklatura
von KC, KW, KP (KM, KD)49 unterstehen“ aus dem Jahre 1973;
aus der ehemaligen Sowjetunion:
„Ein Moskauer Gutachten über die KPdSU“ aus dem Jahre 199350
Jede der Kadernomenklaturen51 war im wesentlichen nach folgenden Ebenen,
die den Ebenen der Parteiorganisation der SED entsprachen, gegliedert:
- Kadernomenklatur des Zentralkomitees der SED
- Kadernomenklatur der Bezirksleitung der SED
- Kadernomenklatur der Kreisleitung der SED.
Die Entscheidungskompetenz bezog sich immer nur auf die Nomenklaturposi-
tionen, die der entsprechenden Hierarchieebene zugeordnet waren. Dabei be-
stand ein begrenzter Handlungsspielraum, da die grundlegenden Entscheidun-
- Anlage 19: Kadernomenklatur der SED-Kreisleitung Greifswald – Teilbereich Wirtschaft –.
- Gliederungen der PVAP (siehe dazu Abkürzungsverzeichnis).
- Bundesinstitut für ostwisssenschaftliche und internationale Studien, Nr. 2/1993.
- Siehe Beispiele dazu Anlagen 15 bis 19 (vereinfacht).
