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Wahlperiode 13, Band IV/1, Seiten 8 und 9
 

Protokoll der 6. Sitzung

der Enquete-Kommission „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Pro-
zeß der deutschen Einheit“ am Donnerstag, dem 29. Februar 1996; Beginn
17.00 Uhr; Bonn, Bundeshaus, Neues Hochhaus, Raum 1902; Vorsitz: Abg.
Rainer Eppelmann

Öffentliche Anhörung zu dem Thema

Die Kaderpolitik der SED an Schulen und Hochschulen
in der DDR und ihre Folgen

 

Inhalt

Eröffnung
Rainer Eppelmann
9
Vortrag
Das Nomenklatursystem – Hauptinstrument der Kaderpolitik der SED
Matthias Wagner
10
Diskussion 21
Kurzvorträge
Folgen der Kaderpolitik der SED für die Universitäten in den neuen
Bundesländern im Transformationsprozeß
Cornelius Weiss
30
Umsetzung kaderpolitischer Konzeptionen in der Lehrerbildung an
DDR-Hochschulen
Siegfried Kiel
36
Diskussion 45
Vortrag
Einfluß des Ministeriums für Staatssicherheit auf die Kaderpolitik an
den Hochschulen und Schulen in der DDR
Matthias Braun
64
Zeitzeuge
Detlef Tietz
71
Diskussion 79
9
Die Kaderpolitik der SED an Schulen und Hochschulen

Vorsitzender Rainer Eppelmann: Ich danke den Menschen, die uns einen
Teil ihrer Lebenszeit heute freundlicherweise zur Verfügung stellen und uns
dabei behilflich sein wollen, am Ende dieser Veranstaltung hoffentlich ein biß-
chen schlauer zu sein, als wir das bisher sind. Dieses Dankeschön gilt den an-
wesenden Vertretern der Presse. Ich danke Ihnen deswegen dafür, weil Aufar-
beitung dessen, was uns beschäftigt, nur gelingen kann, wenn das hier nicht
nur unter uns bleibt, sondern etwas sein wird, was möglichst viele Deutsche
mitbekommen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, mit
dieser öffentlichen Sitzung beginnt die Enquete-Kommission „Überwindung
der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit“ ihre Arbeit im
Themenfeld Bildung, Wissenschaft, Kultur. Die Enquete-Kommission baut auf
der Tätigkeit ihrer Vorgängerin auf, die sich mit der Aufarbeitung von Ge-
schichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland zu beschäftigen hatte. In
einer Dokumentation, die Heinrich Ebert, der jetzt 80jährige Bürgerrechtler
und erste Leiter des Stasi-Außenarchivs in Erfurt, vor kurzem vorgelegt hat,
lese ich die Worte, und ich zitiere:

„Wer der Vergangenheit nachträumt, wundere sich nicht, wenn er darüber die
Gegenwart versäumt. Doch wer im Heute bewußt auf das Morgen leben will,
kann unbeschadet das Gestern nicht übergehen. Nicht einlullen – Wachhalten
ist das Gebot der Stunde.“

Präziser läßt sich, so meine ich, der Spannungspunkt nicht beschreiben, in dem
ich auch die Arbeit der neuen Enquete-Kommission sehe. Wir wollen einen
Beitrag zur Gestaltung der Gegenwart und Zukunft leisten. Diese Gegenwart
und Zukunft verwirklicht sich für uns Deutsche im Prozeß der deutschen Ein-
heit. Hier haben wir schon eine ganze Menge geschafft, aber manchmal kann
man dabei den Eindruck gewinnen, daß für ein gelöstes Problem zwei neue
noch schwierigere auftauchen. Die meisten dieser Probleme sind Folgen der
SED-Diktatur. Das darf meiner Meinung nach nicht verwischt werden. Wir
dürfen uns noch lange nicht aus der deutschen Teilungsgeschichte entlassen.
Gerade deshalb, weil wir sehr bewußt im Heute auf das Morgen leben wollen,
können wir das Gestern nicht unbeschadet übergehen. Das sind wir den Opfern
der SED-Diktatur schuldig, die heute und auch morgen noch an den Lasten
und Erfahrungen ihrer Vergangenheit zu tragen haben.

Im Mittelpunkt der heutigen öffentlichen Sitzung der Enquete-Kommission
steht die Frage nach der Kaderpolitik der SED an Schulen und Hochschulen in
der DDR und ihren Folgen. Ich danke nochmals unseren Gästen aus Schule
und Hochschule, die uns in die Probleme einführen und mit uns diskutieren
wollen.

Die Schulen und Hochschulen der DDR waren Zentren der ideologischen Er-
ziehung und der Kaderpolitik der SED. Das wirkte sich bis in den Herbst des
Jahres 1989 aus, als es an den Hochschulen noch weithin ruhig blieb, während
sich auf den Straßen und in den Kirchen bereits immer mehr Menschen zum